In den Stücken des frankokanadischen Regisseurs Robert Lepage wird viel gereist. Die Konfrontation mit dem Andersartigen, mit fremden Menschen und Orten verunsichert den Reisenden und hält ihm zugleich einen Spiegel vor. Es gibt in Lepages zahlreichen Stücken, die er für die Oper, das Kino und das Theater geschaffen hat, nur eine einzig Figur, die sesshaft geworden ist: Pierre Lamontagne. Er ist am Ende der Trilogie der Drachen nach China gezogen, um dort Kunst zu studieren. Zwanzig Jahre später treffen wir ihn nun im Herzen der Shanghaier Künstlersiedlung Mogashan 50 wieder, wo er eine Galerie unterhält. Eine Frau kommt auf ihn zu: Claire, die als Publizistin in Montreal arbeitet und, wie so viele andere auch, vom chinesischen Boom angezogen ist, jedoch nicht aus geschäftlichen Gründen. Claire, die in ihrem früheren Leben Pierre an der Kunsthochschule kennen gelernt hat. Durch diese erneute Begegnung und ihre gemeinsame Vergangenheit öffnen sich für beide unerwartete Zukunftsperspektiven.
Robert Lepage hat 2007 den europäischen Theaterpreis gewonnen. Er spielt an der Seite von Marie Michaud in diesem Stück, das unverkennbar seins ist: einfach, einfallsreich und sehr sehr bildhaft. Wie immer stützt Lepage sich auf die einzig unerschöpfliche Ressource, die das Theater besitzt: die Intelligenz des Zuschauers.